Lade Datum...
Nachrichten aus Eimsbüttel
Lokales

Eimsbüttel Geschichte: Vom Klosterdorf zum Trendviertel

Fast 750 Jahre an der Eimsbeke, vom Bauerndorf im Klosterbesitz über den Brand der Franzosenzeit und den Gründerzeit-Boom bis zum Feuersturm von 1943 und dem heutigen Szeneviertel rund um die Osterstraße.

Von Uwe Winkler | 19. Juni 2026
Eimsbüttel Geschichte: Vom Klosterdorf zum Trendviertel © Foto: Gebrüder Suhr († 1842 bzw. 1857) / Wikimedia Commons (Public domain)
Eimsbüttel in der Gründerzeit: dichte Blockrandbebauung verwandelte das einstige Bauerndorf binnen einer Generation in ein Großstadtquartier.

Wer heute durch die Osterstraße bummelt, ahnt kaum, dass hier vor gut zweihundert Jahren noch Kühe weideten. Eimsbüttel war jahrhundertelang ein winziges Bauerndorf vor den Toren Hamburgs, im Besitz eines Nonnenklosters, umgeben von Wiesen und der namensgebenden Eimsbeke. Erst die Industrialisierung machte aus dem Dorf eines der dichtesten Wohnquartiere der Stadt.

Diese Chronik führt von der ersten urkundlichen Erwähnung 1275 über die Klosterzeit, den Brand durch napoleonische Truppen und den rasanten Aufstieg zur Gründerzeit bis zur Zerstörung im Feuersturm von 1943 und dem heutigen Trendviertel.

Was dich erwartet

Name und Ursprung: Das Dorf des Elimar

Der Name Eimsbüttel verrät, wie alt die Siedlung ist. Er gehört zu den norddeutschen Büttel-Ortschaften, deren Endung auf eine frühmittelalterliche Dorfgründung verweist. Der erste Teil geht vermutlich auf einen Mann namens Elimar zurück, sodass sich der Name als "Siedlung des Elimar" lesen lässt.1

Urkundlich greifbar wird das Dorf am 6. August 1275. An diesem Tag verkauften die Brüder Heynrich und Meynrich von Heynbroke eine Hufe Land in dem kleinen Dorf "Eymersbuttele" an die Nonnen des Klosters Herwardeshude, des späteren Harvestehude. Das ist die erste schriftliche Erwähnung Eimsbüttels, weit vor den Toren der Hansestadt.2

Durch das Dorf floss die Eimsbeke, ein kleiner Bach, der dem Quartier mancherorts noch seinen Namen leiht. Eimsbüttel war damals reines Bauernland, weit weg vom Hafen, ohne Mauern und ohne große Bedeutung.

Klosterdorf am Rande Hamburgs

Am 11. März 1339 verkaufte Graf Adolf VII. von Schauenburg-Pinneberg das gesamte Dorf für 300 Mark Hamburger Pfennige an das Zisterzienserinnen-Kloster Harvestehude. Damit begann eine ungewöhnlich lange Epoche: Für rund fünf Jahrhunderte blieb Eimsbüttel eng mit dem Kloster verbunden, das seinen Grundbesitz stetig vergrößerte.3

Auch die Reformation änderte daran wenig. Der Besitz ging an das evangelische St.-Johannis-Kloster in Hamburg über, die Verwaltung des Dorfes blieb. Um 1560 richteten die Klosterleute eine Schäferei ein, an die heute noch der Schäferkamp erinnert.4

Fünf Jahrhunderte Kloster

Erst 1830, mit der Aufhebung der klösterlichen Verwaltung, kam Eimsbüttel als Teil der Landherrenschaft der Geestlande endgültig in hamburgischen Besitz. Bis dahin war es ein agrarisch geprägter Flecken mit nur einigen hundert Einwohnern.

1813: Eimsbüttel brennt in der Franzosenzeit

Die napoleonische Besatzung hinterließ in Hamburg tiefe Spuren, und Eimsbüttel traf es besonders hart. Als sich 1813 die französischen Truppen unter Marschall Davout in Hamburg verschanzten, ließen sie die umliegenden Dörfer niederbrennen, um ein freies Schussfeld für ihre Kanonen zu schaffen.5

Eimsbüttel wurde dabei fast vollständig zerstört. Verschont blieb der Sage nach vor allem der Heußhof, ein 1784 an der Ecke Osterstraße und Heußweg eröffnetes Ausflugslokal, weil französische Offiziere dort gern einkehrten. An den Wirt Heuß erinnert bis heute der Straßenname Heußweg.6

Nach dem Abzug der Franzosen 1814 musste das Dorf von Grund auf neu aufgebaut werden. Noch um 1810 lebten hier nur rund 400 Menschen, der dörfliche Charakter blieb über Jahrzehnte erhalten.

Ab 1861: Die Torsperre fällt

Der entscheidende Wendepunkt kam mit der Industrialisierung. 1861 hob Hamburg die sogenannte Torsperre auf, die nächtliche Abriegelung der Stadttore, die das Wohnen außerhalb der Wälle lange unattraktiv gemacht hatte. Damit wurde das Umland für Pendler und Bauland plötzlich interessant.7

Eimsbüttel stieg rasch auf. 1871 kam es unter städtische Verwaltung und zählte rund 4.000 Einwohner, 1874 wurde es offiziell Vorort Hamburgs. Der wachsende Hafen und die Industrie zogen Arbeiter und Landflüchtige an, die billigen Wohnraum suchten.8

Ab 1880: Der Gründerzeit-Boom

In den 1880er Jahren explodierte das Wachstum förmlich. Auf nahezu unveränderter Fläche wurden in dichter Blockrandbebauung Tausende Mietwohnungen hochgezogen. Die Zahl der Wohnungen stieg zwischen 1880 und 1925 von 3.637 auf 35.388.9

Aus dem Bauerndorf wurde binnen einer Generation eines der am dichtesten bebauten Quartiere der Hansestadt.
Über den Eimsbütteler Bauboom der Gründerzeit

Aus dieser Zeit stammt das bis heute prägende Stadtbild: die Gründerzeit-Fassaden des Generalsviertels, die geschwungenen Straßenzüge und die zentralen Kirchen. 1884 wurde die Christuskirche errichtet, 1892 folgte die Apostelkirche. Wer die Bauten von heute mit alten Aufnahmen vergleicht, findet viele der einstigen Sehenswürdigkeiten noch wieder.10

1894: Eingemeindung nach Hamburg

Mit dem rasanten Wachstum wuchs auch der Druck, das Quartier formal in die Stadt zu integrieren. 1894 wurde Eimsbüttel als Stadtteil in das Hamburger Stadtgebiet eingemeindet. Die Einwohnerzahl war bis 1895 bereits auf 52.189 gestiegen, ausgehend von gerade einmal gut 3.000 Menschen drei Jahrzehnte zuvor.11

Parallel wuchs auch das Verkehrsnetz. Pferdebahnen und später elektrische Straßenbahnen banden Eimsbüttel an die Innenstadt an, 1914 ging mit der Hellkamplinie ein erster Hochbahn-Abschnitt in Betrieb. Wie sich der Stadtteil im Verbund mit seinen Nachbarn entwickelte, zeigt unsere Übersicht der Stadtteile im Bezirk.12

Um 1910: Großstadtquartier mit Brüchen

Um die Jahrhundertwende war Eimsbüttel endgültig Großstadt. 1901 zählte man rund 61.500 Einwohner, zur Zeit des Ersten Weltkriegs überschritt die Bevölkerung des Quartiers samt Umfeld die 100.000er-Marke. Eimsbüttel wurde zu einem der am dichtesten besiedelten Gebiete Hamburgs überhaupt.13

Es war ein Viertel der Arbeiter und kleinen Angestellten, geprägt von Mietskasernen mit Hinterhöfen, daneben aber auch von bürgerlichen Wohnlagen wie dem Generalsviertel. 1936 eröffnete am Kaiser-Friedrich-Ufer das Kaifu-Bad, das erste Warmwasser-Volksbad der Stadt.14

Wo der Name Schanze herkommt

Der benachbarte Name Sternschanze geht auf eine sternförmige Schanze von 1682 zurück, eine Befestigung, die durch einen Graben mit den Hamburger Wällen verbunden war. Der markante Wasserturm im Sternschanzenpark ging 1910 in Betrieb, wurde 1961 stillgelegt und beherbergt seit 2007 ein Hotel.

1943: Operation Gomorrha und der Feuersturm

Den tiefsten Einschnitt seiner jüngeren Geschichte erlebte Eimsbüttel im Zweiten Weltkrieg. Vom 24. Juli bis 3. August 1943 flogen britische und erstmals gemeinsam US-amerikanische Verbände unter dem Decknamen Operation Gomorrha die schwersten Luftangriffe der bisherigen Kriegsgeschichte auf Hamburg.15

Schon der erste große Angriff in der Nacht zum 25. Juli 1943 verwüstete weite Teile von Altona, Eimsbüttel und Hoheluft. Der berüchtigte Feuersturm in der Nacht zum 28. Juli traf vor allem den Hamburger Osten, doch Eimsbüttel hatte zu diesem Zeitpunkt bereits massive Zerstörungen erlitten. Ein Großteil der historischen Bausubstanz aus der Zeit vor 1900 ging verloren.16

Insgesamt forderte Operation Gomorrha in Hamburg rund 34.000 Menschenleben, etwa 900.000 Einwohner flohen oder wurden evakuiert. Die Lücken im Eimsbütteler Stadtbild, geschlossen durch schlichte Nachkriegsbauten zwischen den erhaltenen Gründerzeithäusern, zeugen bis heute von dieser Zerstörung.

1951: Der Bezirk Eimsbüttel entsteht

Nach dem Krieg wurde Hamburg neu verwaltet. Bereits 1937 hatte das Groß-Hamburg-Gesetz Nachbarorte wie Lokstedt, Niendorf, Schnelsen, Stellingen und Eidelstedt zur Stadt geschlagen. 1951 wurde aus diesen Gebieten und den innerstädtischen Quartieren der Bezirk Eimsbüttel gebildet, benannt nach dem namensgebenden Stadtteil.17

Der Bezirk umfasst heute neun Stadtteile: Eimsbüttel selbst, dazu Rotherbaum, Harvestehude, Hoheluft-West, Lokstedt, Niendorf, Schnelsen, Eidelstedt und Stellingen. Mit rund 50 Quadratkilometern ist er der flächenmäßig kleinste der sieben Hamburger Bezirke, beherbergt aber rund eine Viertelmillion Menschen.18

Der Wiederaufbau prägte die fünfziger und sechziger Jahre. 1973 stellte mit der Linie 3 die letzte Straßenbahn in Eimsbüttel ihren Betrieb ein, der Verkehr verlagerte sich auf Bus und U-Bahn.19

Eimsbüttel heute: Vom Arbeiterquartier zum Trendviertel

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich Eimsbüttel von einem dicht bebauten Arbeiterquartier zu einem der gefragtesten Wohnviertel Hamburgs gewandelt. Die zentrale Lage, die durchgrünten Straßenzüge und die kurzen Wege machten das Viertel besonders bei jüngeren Bewohnern beliebt, mit allen bekannten Folgen für die Mieten.20

Herzstück ist die Osterstraße, die inoffizielle Hauptstraße mit Restaurants, Cafés und Geschäften. Das jährliche Osterstraßenfest zieht rund 300.000 Besucher an. Wie sich Bevölkerung und Sozialstruktur entwickelt haben, zeigen unsere Daten zu den Einwohnern.21

Der Stadtteil Eimsbüttel zählte zum 31. Dezember 2024 rund 57.800 Einwohner auf gut 3,2 Quadratkilometern, eine der höchsten Bevölkerungsdichten der Stadt. Vom Dorf des Elimar bis zum Trendviertel liegen fast 750 Jahre, doch die enge, lebendige Bebauung der Gründerzeit prägt das Quartier bis heute.22

Newsletter
Bleib in Eimsbüttel auf dem Laufenden

Einmal pro Woche kostenlos die wichtigsten Nachrichten, Termine und Tipps aus Eimsbüttel per E-Mail. Von Eimsbüttelern für Eimsbütteler.

Jederzeit kündbar. Mit der Anmeldung stimmst du unseren Datenschutzbestimmungen zu.

Artikel teilen
Unabhängiger Lokaljournalismus

Unterstütze Eimsbütteler, damit wir weiterhin kritisch und unabhängig berichten können.

Jetzt mit 5€ unterstützen
Leserstimmen

Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste!

Kommentar schreiben

Wird nicht veröffentlicht

Kostenlose Eimsbüttel Woche

Nach dem Motto von Eimsbüttelern für Eimsbütteler verschicken wir einmal pro Woche kostenlos Neuigkeiten zu Events, Aktuelles und Wissenswertes.

Jederzeit kündbar

Mit der Anmeldung stimmen Sie unseren Datenschutzbestimmungen zu.